Werner Kaegi

1959 NUIT BLANCHE

BALLET POUR 4 DANSEURS ET ORCH.DE CHAMBRE

LIVRET: W.KAEGI,
CHOREGRAPHIE: IRENE ROTH,
DECORS ET COSTUMES: REGINE BRANDT
CREATION PARKTHEATER MEILEN JUIN'60

Die ersten Anregungen zum Ballett "Nuit blanche" gehen auf die Pariser Studienzeit des Komponisten zurück. Damals wohnte Kaegi in der Nähe der Jardins de Luxembourg. Dieser Park, der wie viele andere französiche Pärke abends geschlossen wird, ist zum Schauplatz des Balletts geworden. Auch die Musik geht teilweise auf Skizzen aus jener Zeit zurück, wurde aber erst 1959/60 definitiv gestaltet. Sie baut sich auf zwei Reihen in freier Bearbeitung auf. Die Handlung versucht bei einem durchlaufenden Geschehen möglichst viel Anlass zu tänzerischer Entfaltung zu geben. Entsprechend den neun Sätzen der Musik gliedert sie sich in neun Szenen, die zum Teil zäsurlos in einander übergehen.

 

 

Personen: (Kleiderentwürfe von Regine Brandt)

Adam ein junger Galan Eve ein sehr junges Mädchen Diana eine ParkStatue
mit Bogen und Hund
Der Gardien, ein Parkwächter

Ort: ein öffentlicher Park in Frankreich

Zeit: ein lauer Sommerabend

Orchester:

2fl(2.auch picc),2ob(2.auch EH),2fag,2horn,tp,pos,Xylo Streichquintett

(Blick durch das offene Gittertor in den Park; links nicht ganz im Hintergrund auf einem Sockel die Diana-Statue, rechts im Hinter- grund ein Gebüsch.)

1.Szene: (Prelude et Pas de deux Adam-Eve) Eve, ein Backfisch, ist von Adam, einem jungen Mann, zu einem Abenteuer überredet worden. Der Abend ist lau, die Sommernacht vielversprechend. Die beiden wollen sich im Park für die kommende Nacht einschliessen lassen.

2.Szene: (Pas seul, Gardien) Der Gardien macht seine allabendliche Runde durch den Park, ordnet dies und das und verkündet Feierabend. Mittlerweile haben sich Adam und Eve versteckt gehalten. Wie nun der Alte das grosse Tor schliesst und Adam und Eve in freiwilliger Gefangenschaft zurücklässt, treten sie aus ihrem Versteck hervor und freuen sich kindisch über den gelungenen Streich.

3.Szene: (Pas de deux Adam-Eve) Jetzt aber wird Adam stürmisch. Eve kann ihm nicht mehr entrinnen; sie muss sein werden. Das ist allerdings mehr als ein kleiner Backfisch von einem Abenteuer erwartet. Eve versucht mit allen ihr zu Gebot stehenden Mitteln Adam zu besänftigen. Ob es ihr gelingt? Adam wird zornig und Eve versucht in das Dunkel des Parks zu flüchten.

4.Szene: (Incantation, Pas de deux Diane-Adam) Da kommt der kleinen Eve die Statue der Göttin Diana zu Hilfe. Sie steigt von ihrem Sockel herunter und bezirzt Adam. Eve sieht eben noch wie ihr Adam mit einer fremden Frau im Dunkel des Parks verschwindet.

5.Szene: (Solo-Variation Eve) Eve ist untröstlich. Sie betrauert den Verlust ihres Geliebten und wohl auch die Widersprüchlichkeit ihrer Backfischseele, die sie das heiss ersehnte Glück von sich stossen liess.

6.Szene: (Pantomime Eve-Gardien) Der Gardien, der auf einem kleinen Spaziergang durch "seinen" Park den Feierabend geniesst, gewahrt die kleine Eve. Die Gelegenheit ist günstig, und schliesslich ist auch ein Beamter nur ein Mensch. Die bedrängte Eve rettet sich auf den Sockel der Diana; hier wird der Alte sie nicht entdecken. Aber natürlich hat er längst begriffen; er tut nur so, als ob er von nichts wüsste, um sich Dreistigkeiten gegen Eve erlauben zu können. Gefangen in ihrer Rolle als Statue muss sie sich die Zudringlichkeiten des Alten gefallen lassen. Aber plötzlich sieht Eve ihren Adam mit der fremden Frau, springt vom Sockel und wirbelt den Alten in einem turbulenten Walzer herum. Damit entfacht sie die Eifersucht ihres Adams.

7.Szene: (Pas d'action Gardien-Eve-Adam-Diane) Adam stürzt sich auf den Alten und die beiden Männer geraten in heftigen Streit. Vergeblich versucht Eve die Kampfhähne zu trennen. Da eilt ihr Diana wiederum zu Hilfe.Sie vermag die beiden Männer zu trennen.

8.Szene: (Versteinerung,Pas de deux Diane-Gardien) Der Alte, der seine Würde allmählich zurückgewinnt, wird Adam und Eve aus dem Park aussperren. Vorher aber will er Dianen wieder auf ihren Sockel zurück bringen. Während sie nun unter den Händen des Alten langsam versteinert, benutzen Adam und Eve die Gelegenheit zur Flucht.

9.Szene: (Finale) Der Alte entdeckt die List und versucht die beiden jungen Leute einzuholen. Es gelingt ihm schliesslich. Nun weist er Adam und Eve aus dem Park wie es einst ihren Ahnen im Paradies geschehen ist.

Entwurf 1959: Adam hat Eve zu einem Abenteuer überredet; der Abend ist lau, die Nacht vielversprechend; sie wollen den Parkwächter täuschen und sich für die Nacht im Park einschliessen lassen.

1) Man sieht den Park, links nicht ganz im Hintergrund auf einem Sockel eine weibliche Statue,rechts im Hintergrund ein Gebüsch.Von rechts vorn tritt der Parkwächter auf und schlurft zum Rhythmus der Musik über die Bühne.Mit seinen Rufen und der Glocke bietet er Feierabend und wacht dass kein Besucher im Park zurückbleibt.Aber Adam und Eve ver- stecken sich eilig hinter einem Busch.Kaum ist der Parkwäch- ter so weit nach links geschritten,dass er die Liebenden im Rücken hat,treten sie hervor und machen sich über den Alten lustig.

2) Der Streich ist geglückt;aber jetzt wird sich Eve ihrer Lage bewusst.Zwar neckt sie Adam gerne,lockt ihn,um sich dann aber stets seiner Zudringlichkeit zu entziehen.?Adam beginnt sie arg zu bedrängen.Wo soll sie nun hinfliehen? Sie versucht es mit Tändeln,mit Bitten,vergeblich.Endlich weist sie ihn schroff ab.Adam fühlt sich betrogen; beide wenden sich schmollend von einander ab. Plötzlich sieht Adam die Statue.

3) Ist es Täuschung seiner entfachten Sinne oder Wirklichkeit? Die Statue blickt ihn tändelnd an,bewegt sich,steigt behend vom Sockel und beginnt Adam in leichtem Tanz zu umschmei- cheln.Aus Kränkung,aus erwachendem Verlangen beginnt auch Adam zu tanzen.Eve,die schmollend zur Seite gestanden, sieht bestürzt ihr Glück dahinschwinden; das neü Liebespaar,er sie haschend,sie ihn lockend,verliert sich im Dunkel des Parks.

4) Eve ist untröstlich. In einer Variation betraürt sie den Verlust des Geliebten ebenso sehr als ihr eignes Unglück. Der Parkwächter tritt auf;eine letzte Runde durch seinen Park.Eve sieht ihn trotz ihres Leids,denn heimlich hat sie es nicht unterlassen nach Adam auszuspähen, ob er ihren Schmerz auch sehe.

5) Eve überlegt blitzschnell: wenn der Wächter sie sieht,wird er sie aussperren;aber das will sie nicht.Das schützende Gebüsch ist zu weit weg,also hüpft sie behend auf den leeren Sockel der Statue und versucht diese nachzuahmen und den Alten zu täuschen. Er geht vorüber,hält vor der falschen Statue inne, wird natürlich des Betrugs gewahr,versucht nun aber sich auf seine weise schadlos zu halten.Er kitzelt die Statue und treibt mit ihr allerhand Zudringlichkeiten, die sie über sich ergehen lassen muss.Aber schliesslich weiss sie sich gegen die Unverschämtheiten des Alten nicht anders zu helfen als vom Sockel zu springen und dem Hüter des Gesetzes scheinbar willfährig um den Bart zu streichen.Das hilft.

6) Aber unterdessen sind Adam und seine neü Geliebte aufgetre- ten. Beide Paare sehen sich.Die Statue glaubt sich vom Wächter entdeckt und fürchtet Strafe.Adam glaubt sich ertappt und verraten von Eve. Der Wächter glaubt sich seinerseits ertappt bei seiner unziemlichen Nascherei(er weiss nicht wie lang er schon beobachtet ist). Sie stehen sich ratlos gegenüber. Nur Eve weiss den Augenblick zu nützen. "Hilfesuchend" wirft sie sich dem Wärter in die Arme und rächt sich an ihrem Adam.Der stürzt sich eifersüchtig auf den Wächter,um seine Eve aus den Armen des Wüstlings zu retten. Die beiden Männer geraten in ein Handgemenge,aber der Wächter findet schnell seine Beamtenwürde wieder. Schliesslich hat erja die Tugend des jungen Mädchens gegen den Anstrum des eitlen Galans zu schützen! Würdig weist er die Statue zurück auf ihren Sockel;weil sie indessen aus Furcht langsam versteinert, trägt sie der Alte zum Sockel und stellt sie nicht ohne Mühe wieder auf ihren Platz.Das junge Paar aber weist er aus dem Park wie es ihren Vorfahren im Paradies geschehen ist. Ein letztes Mal noch geht der Alte über die Szene und bleibt einen Augenblick lang vor der Statue stehen,als erinnerte er sich der gestörten Liebelei mit Eve;er zuckt schliesslich die Achseln und geht ab.Vorhang.

(Programmnotiz 1960)

 


Vocalulu - Lulu, Werners Hund demonstriert die Vokale:

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