Werner Kaegi

1959 CONCERTO

FüR JAZZQUARTETT UND STREICHER (P,G,B,DR, 3 SOLOSTREICHER, RIPIENI)

DEDICATED TO THE LUCERNE FESTIVAL STRINGS

CREATION LUCERNE FESTIVAL 03-09-1964,

GEORGES GRUNTZ(P),
ELEK BASIC(G),
GUY PEDERSEN(B),
DANIEL HUMAIR(DR)

AND THE LUCERNE FESTIVAL STRINGS (Dir. Rudolf Baumgartner)

RADIO-TRANSMISSION EN DIRECT, RECORDED BY SWISS TELEVISION ZURICH 1964

Edition ASTORIA BERLIN 1964

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Siehe Pressestimmen-Bulletin herausg.v.Astoria Berlin 1964

Interview Schweizer Fernsehen \intview.ger\concerto.64

Angeregt durch Experimente mit Jazzensembles schrieb Kaegi bereits 1958 eine Jazz und "klassische" Musik verbindende Ballettmu- sik,welche in Zürich uraufgeführt und von der Presse begeistert aufgenommen worden ist. Charakteristisch ist der Umstand, dass "die Jazzband nicht nur besetzungsm"ssig da war, sondern regel- recht und nach bester Jazzmanier musizieren durfte" (Weltwoche v. 25.6.1958). Der improvisatorischen Arbeit der Jazzmusiker war breitester Raum gewährt. So auch im vorliegenden Concerto, das Kaegi, aufbauend auf die vorausgehenden Erfahrungen (...) in den folgenden Jahren 1959 bis 61 komponiert hat. Unnötig zu sagen, dass den Streichern, unbeeinflusst von Jazzstilistik, h"chst komplizierte kontrapunktische Aufgaben überbunden sind. So gewinnt das Concerto Form und Spannung bewusst aus dem Gegensatz von weisser Konstruktivität und schwarzer Motorik. (...). Das Werk ist zum grossen Teil seriell gebaut. Gegenüber "konsequenter" serieller Strukturierung wurden aber stets in erster Linie Natur und Möglichkeiten der einzelnen Instrumenalgruppen beachtet. Anliegen des Komponisten war es, weitgehend (gelenkt-) improvisierende Jazzcombo und klassisches Streichorchester mit- einander in Einklang (de concert) musizieren zu lassen und aus der Fülle der reizvollen Möglichkeiten zu schöpfen, welche das Miteinander zweier gegensätzlicher Welten, zweier Stile und zweier Spielmanieren ergeben. (Programm-Notiz der Uraufführung am 03-09-'64 IMF Luzern) 


Angeregt durch Experimente mit Jazzensembles schrieb Kaegi bereits 1958 eine Jazz und "klassische" Musik verbindende Ballett- musik, welche in Zürich uraufgeführt und von der Presse begeistert aufgenommen worden ist. Charakteristisch ist der Umstand, dass "die Jazzband nicht nur besetzungsmässig da war, sondern regelrecht und nach bester Jazzmanier musizieren durfte" (Weltwoche v. 25.6.1958).


Der improvisatorischen Arbeit der Jazzmusiker war breitester Raum gewährt. So auch im vorliegenden Concerto, das Kaegi, aufbauend auf die vorausgehenden Erfahrungen (und unterstützt durch seinen Verleger und die Festival Strings ) (Programm-Notiz der Uraufführung am ..-09-'64 IMF Luzern) in den folgenden Jahren 1959 bis 61 komponiert hat. Unnötig zu sagen, dass den Streichern, unbeeinflusst von Jazzstilistik, höchst komplizierte kontrapunktische Aufgaben überbunden sind. So gewinnt das Concerto Form und Spannung bewusst aus dem Gegensatz von weisser Konstruktivität und schwarzer Motorik. Das Werk ist den Festival Strings Lucerne und ihrem Leiter Rudolf Baumgartner gewidmet.

Der erste Satz (Allegro) entwickelt aus der Keimzelle der ersten Takte einen regelrechten Jazz-Chorus, der das Arbeitsmaterial für beide Ensembles bereitstellt.% Jazzquartett und Streicher greifen die für sie charakteristischen Möglichkeiten auf und verarbeiten sie auf ihre Weise: (die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die vom Astoria Verlag Berlin herausgegebene Partitur). Vorsichtig machen sich die beiden artfremden Gruppen miteinander bekannt, verbinden sich aber bereits im Medium des Jazzchorus zu einem Kanon, der von den Streichern später selbständig aufgenom- men wird, während die Jazzcombo dasselbe improvisatorisch verar- beitet:

Beherrscht Einklang beider Gruppen den ersten Satz, so stellt der zweite Satz (Lento-Allegretto-Vivo-Lento) die beiden Gruppen in stärksten Kontrast zueinander. Aus einer Zwölftonreihe entwickeln die Streicher eine Exposition, diese wird vom Jazzquartett aber sogleich in einen kontrapunktischen Chorus umgedeutet und reich improvisatorisch verarbeitet:

(ex.) In stets kürzeren Abständen werden nun aber die Jazzsequenzen von den Streichern unterbrochen. Stets auf der Basis ein und des- selben Materials, entwickeln sich beide Gruppen immer weiter auseinander. Sie prallen schliesslich in vollem Gegensatz auf- einander und erzeugen heftige rhythmische und stilistische Reibungen, die schliesslich eine freirhyhmische Kadenz des Klaviers auslösen und in einen breiten Lento-Epilog auslaufen. Dieser rundet den weiten Spannungsbogen des zweiten Satzes ab.

Zögernd und erst nach stockenden Anläufen entwickelt sich der dritte Satz (Allegro con spirito, Tempo di bluies, Presto con fuoco). Bereits in den ersten beiden Sätzen treten allmählich drei Solostreicher (Violine,Viola,Violoncello) solistisch hervor. Im letzten Satz nun bilden sie eine regelrechte dritte Gruppe, welche, in ihrer Wendigkeit alles durchdringend, die nunmehr blockartigen Tuttistreicher und die Jazzcombo mit einem feinma- schigen Motivgespinst verbindet und so die Gegensätze neutrali- siert. Spannte der zweite Satz seinen Bogen vom breiten Lento bis zum, Agitato-Höhepunkt, um wieder ins Lento zurückzufallen, so schlägt im Finale das Allegro unvermittelt in ein Tempo die blues um. Dieser echt jazzische Ruhepunkt ist getragen von einer weitausholenden Kontrabass-Improvisation. Ein knappes Presto con fuoco schliesst den Satz und bringt das gesamte musikalische Material und alle drei Gruppen in rascher Folge noch einmal zur Geltung.

(ex.) Das Werk ist zum grossen Teil seriell gebaut. Gegenüber "konse- quenter" serieller Strukturierung wurden aber stets in erster Linie Natur und Möglichkeiten der einzelnen Instrumenalgruppen beachtet. Anliegen des Komponisten war es, weitgehend (gelenkt-) improvisierende Jazzcombo und klassisches Streichorchester mit- einander in Einklang (de concert) musizieren zu lassen und aus der Fülle der reizvollen Möglichkeiten zu schöpfen, welche das Miteinander zweier gegensätzlicher Welten, zweier Stile und zweier Spielmanieren ergeben.(3)


Anmerkungen:

(1) Konzession an die Umstände. In Wirklichkeit haben die Festival Strings (und nach deren Zusage auch der Verleger) zwar beigetragen zur glanzvollen Uraufführung, aber sie waren nicht beteiligt an der Fertigstellung meiner Partitur, deren Anfänge in das Tournee-Jahr 1958 zurückreichen und die ich schon 1961 in grosser Einsamkeit in Caviano abgeschlossen hatte, gefördert allein durch die Liebe und das Vertrauen, das mir meine Frau Regine entgegenbrachte.

(2) Die (von mir beabsichtigte) Verwandtschaft mit "Night in Tunisia" ist niemandem aufgefallen, ebenso wenig wie die Rich. Strauss-Parodie am Anfang meiner 'Ariadne in Z.'.

(3) Ein Verfahren das ich 1984 in 'Dialogue' wieder aufgenommen habe.


 

Journal int.'59:

Zürich'59. In ons appartement aan de Rindermarkt: lichtblauwe schemer van de olielamp en het mikadospel, de verhalen van Regine. Gespreken over onze metiers: muziek en theater, over Mineralogie, Brgels Astronomie en de Marskanalen. Afkeer van mijn pogingen volksmuziek in mijn composities te betreken. Ik begin mijn 'Miniaturen' voor hobo, fagot en cembalo en werk ook aan het eerste deel van mijn' Concerto'. Het probleem van evenwicht houden steelt zich voor beide stukken. Hoe schrijf je een virtuose cembalopart die tussen de twee blazers zijn eigen leven leidt? Ik koop op afbetaling en cembalotje en experimenteer. Hoe schrijf je voor strijkers op een manier dat ze niet aan de wal worden geduwt door een jazzquartet? Ik vervaardig modellen op geluidsband en bestu- deer ze grondig. Dat vraagt geduld, maar is boeiend werk. (Satz zwei in Genua abgeschlossen, Satz drei in Stuttgart begonnen und in Caviano Ti (Regine ist schwanger) fertiggestellt.


\dag61\dag661.int:

01.04.61 Gedanken zur Vorrede zum Concerto:

Der Solopart ist deutlich in zwei verschiedenen Arten konzipiert: a) Improvisierte Soli (oft mit Angabe, wie ungefähr ich mir das ausgeführte Solo etwa denke): Meist mit einfachen Harmo- nieangaben, damit der Arrangeur oder Ausführende weitesten Spielraum zu persönlicher Entfaltung habe. Die Harmonien sind zu bereichern und niemals zu kompakt zu geben. Bei ihrer Ausarbeitung lasse man sich leiten vom Stil der b) nicht improvisierten Soli: diese sind noten- und rhythmus- getreu zu spielen, immer jedoch im Jazzstil (zB 2.Satz stets als etc.) Das Streichorchester und dessen drei Solisten spielen absolut keinen Jazzstil. Das Notenbild ist also wie dasjenige jeder anderen "klassischen" Musik notengetreu darzustellen.


1991-94 habe ich mein Concerto umgearbeitet. Ich betrachte diese Version als verbindlich: m.E.ist es mir gelungen, alle Schwae- chen, die ich anlaesslich der Urauffuehrung in meinem Werk entdeckte, auszumerzen. Ich denke, in dieser umgearbeiteten Version bin ich der urspruenglichen Vision meines Concerto viel näher gekommen.

 


Vocalulu - Lulu, Werners Hund demonstriert die Vokale:

Vocalulu

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